Auf leisen Gleisen
Klima- und Lärmschutz gehen Hand in Hand
Wenn der Regionalexpress von Köln nach Euskirchen am Bahnhof Erftstadt ankommt, ist er fast nicht zu hören. Das liegt daran, dass der Dieselzug mit ausgeschaltetem Motor in den Bahnhof einfährt. Auf diese Weise spart er nicht nur CO2-Emissionen, sondern schützt auch die Menschen, die an der Bahnstrecke wohnen. Klima- und Lärmschutz gehen hier gleich zweifach Hand in Hand, denn: Die Verkehrsverlagerung auf die klimafreundliche Schiene gelingt nur dann, wenn sie die Anwohnenden möglichst wenig belastet.

Gut für die Mitmenschen und gut für’s Klima: Eine leise Fahrweise im Schienenpersonennahverkehr punktet gleich doppelt. Energieeffizientes Fahren reduziert sowohl Geräusche als auch CO2-Emissionen und trägt so zur Attraktivität des klimafreundlichen Verkehrsmittels bei. Insbesondere im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen mit seinem dichten Netz aus Straßen, Schienen und Flughäfen ist Lärmschutz für viele Bürgerinnen und Bürger ein wichtiges Thema.
Zahlreiche Maßnahmen tragen dazu bei, die Geräuschentwicklung im Schienenverkehr effektiv zu reduzieren. Sie beruhen grundsätzlich auf zwei unterschiedlichen Ansätzen: Aktiver Lärmschutz verringert die Geräusche direkt an der Quelle, also an den Fahrzeugen und Gleisanlagen. Am häufigsten kommen Schallschutzwände zum Einsatz: Sie sind hochabsorbierend, das heißt sie nehmen den Schall auf und verhindern seine Ausbreitung. Aber auch Schallschutzwälle, Spurkranzschmiereinrichtungen und Schienenstegdämpfer oder -abschirmungen sind aktiver Schallschutz. Passiver Lärmschutz mindert den entstandenen Lärm durch Maßnahmen an Gebäuden. Dazu zählen zum Beispiel schallisolierte Fenster und Lüftungseinrichtungen.
Maßnahmen und ihre Effekte
- Schallschutzwände entlang der Strecke senken die Lärmbelastung für Anwohnerinnen und Anwohner um bis zu 10 dB(A)*. Sie eignen sich besonders für ebenerdige Streckenabschnitte in Ballungsräumen.
- Durch die Umstellung auf lärmarme Bremsen (Kompositbremssohlen) können Bremsgeräusche um etwa 8–10 dB(A) reduziert werden. Sie verringern auch die Rauheit der Radlaufflächen, was zusätzlich zu geringeren Rollgeräuschen führt.
- Spezielle Dämpfungen am Schienensteg können Rollgeräusche um 3–7 dB(A) verringern, indem sie Vibrationen und Geräusche direkt an der Schiene abfangen. Schienenstegdämpfungen sind besonders effektiv bei häufig genutzten Gleisen in dicht besiedelten Gebieten.
- Eine regelmäßige Schienenschmierung kann, insbesondere in Kurven, Geräusche durch Reibung und Quietschen um bis zu 3 dB(A) verringern.
In Summe lässt sich der Lärm im SPNV durch eine Kombination dieser Maßnahmen um etwa 10–15 dB(A) senken. Das entspricht einer subjektiven Halbierung des Lärms für das menschliche Gehör.
*Dezibel ist eine Einheit zur Messung von Lautstärke. dB(A) steht für A-bewertete Dezibel, d.h. die Einheit misst den Schalldruckpegel und berücksichtigt dabei die Empfindlichkeit des menschlichen Ohres.
Schon viel erreicht: Lärmschutz in NRW
Lärmschutzmaßnahmen entlasten die Anwohner nachhaltig und spürbar. Um für mehr Ruhe an Bahnstrecken für Anwohnende zu sorgen, hat die Deutsche Bahn bis Ende 2020 den Schienenverkehrslärm bereits halbiert. Und sich neue Lärmschutzziele gesetzt: Bis 2030 soll die Hälfte aller Menschen, die derzeit an belasteten Strecken wohnen, vom Schienenverkehrslärm entlastet werden; bis 2050 sollen es alle sein.
Mithilfe des Lärmsanierungsprogramms des Bundes wurden bis Ende 2023 bereits rund 2.255 Kilometer des Streckennetzes lärmsaniert. Für Nordrhein-Westfalen wurden 2023 insgesamt 1993 Sanierungsbereiche mit rund 666,9 Kilometern zur Bearbeitung vom Bundesverkehrsministerium freigegeben - mehr als doppelt so viele wie beispielsweise im südlichen Flächenland Bayern. „2023 haben wir 68,90 Kilometer Schallschutzwände fertiggestellt, weitere 40,14 Kilometer befinden sich in Planung oder bereits im Bau“, sagt Markus Schmitz, Referent Energieeffizienz bei DB Regio in NRW. „In 6.567 Wohnungen wurden passive Maßnahmen wie Schallschutzfenster, Dachsanierung oder Fassadendämmungen umgesetzt und 95 Ortsdurchfahrten sind mit einer Streckenlänge von 186,30 Kilometern vollständig lärmsaniert.“
Das alles sind wichtige Schritte in Richtung Mobilitätswende, denn, davon ist Schmitz überzeugt: „Unsere Ziele im Klimaschutz können wir nur mit einem deutlichen Ausbau des Schienenverkehrs erreichen. Und dafür brauchen wir die Akzeptanz der Menschen, die an der Schiene wohnen. Lärmschutz leistet hier einen essenziellen Beitrag.“
„Lärmschutz trägt wesentlich dazu bei, unsere Ziele im Klimaschutz zu erreichen."
Markus Schmitz
Referent Energieeffizienz bei der DB Regio AG, Region NRW
Quellen
Auslösewerte Tabelle: BMDV nach Erläuterungen zum Bundeshaushaltsplan Eil 12 Kapitel 1202 Titel 891 05
Immissionsgrenzwerte Tabelle: Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes (Verkerhrslärmschutzverordung)
https://www.laermsanierung.deutschebahn.com/charts/index.html#/NRW
https://nachhaltigkeit.deutschebahn.com/de/gruene-transformation/laermschutz
https://nachhaltigkeit.deutschebahn.com/08_Dokumente/kennzahlen/nachhaltigkeitskennzahlen_2024.pdf
Auch interessant
Bahnstrom und Bahnstromnetz
Wie hoch ist der Anteil an Ökostrom im Bahnstrommix - und wie kommt er zum Zug?
Züge und Bahnen fahren mit eigens für sie produzierter Energie. Über das Bahnstromnetz werden sie mit Fahrstrom mit einer Frequenz von 16,7 Hertz versorgt. Erzeugt wird dieser Strom von der DB selbst bzw. in Kraftwerken mit speziellen Bahnstromgeneratoren. Dabei werden fast 70 Prozent durch erneuerbare Energien abgedeckt - bis 2038 sollen es 100 Prozent sein.

Lärmschutz im SPNV
Aktive und passive Schallschutzmaßnahmen tragen zum Klimaschutz bei
Wenn der Regionalexpress von Euskirchen nach Köln am Bahnhof Weilerswist ankommt, ist er fast nicht zu hören. Das liegt daran, dass der Dieselzug schon seit längerer Zeit nur ausrollt. Aufgrund der Schubabschaltung verbraucht er dabei keinen Tropfen Diesel. Auf diese Weise spart er nicht nur CO2-Emissionen, sondern schützt auch die Menschen, die an der Bahnstrecke wohnen. Klima- und Lärmschutz gehen hier gleich zweifach Hand in Hand, denn: Die Verkehrsverlagerung auf die klimafreundliche Schiene gelingt nur dann, wenn sie die Anwohnenden möglichst wenig belastet.