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21. Februar 2025

Auf leisen Gleisen

Klima- und Lärmschutz gehen Hand in Hand

Wenn der Regionalexpress von Köln nach Euskirchen am Bahnhof Erftstadt ankommt, ist er fast nicht zu hören. Das liegt daran, dass der Dieselzug mit ausgeschaltetem Motor in den Bahnhof einfährt. Auf diese Weise spart er nicht nur CO2-Emissionen, sondern schützt auch die Menschen, die an der Bahnstrecke wohnen. Klima- und Lärmschutz gehen hier gleich zweifach Hand in Hand, denn: Die Verkehrsverlagerung auf die klimafreundliche Schiene gelingt nur dann, wenn sie die Anwohnenden möglichst wenig belastet.

©Adobe Stock / Bernd Leitner
©Adobe Stock / Bernd Leitner

Gut für die Mitmenschen und gut für’s Klima: Eine leise Fahrweise im Schienenpersonennahverkehr punktet gleich doppelt. Energieeffizientes Fahren reduziert sowohl Geräusche als auch CO2-Emissionen und trägt so zur Attraktivität des klimafreundlichen Verkehrsmittels bei. Insbesondere im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen mit seinem dichten Netz aus Straßen, Schienen und Flughäfen ist Lärmschutz für viele Bürgerinnen und Bürger ein wichtiges Thema.


Zahlreiche Maßnahmen tragen dazu bei, die Geräuschentwicklung im Schienenverkehr effektiv zu reduzieren. Sie beruhen grundsätzlich auf zwei unterschiedlichen Ansätzen: Aktiver Lärmschutz verringert die Geräusche direkt an der Quelle, also an den Fahrzeugen und Gleisanlagen. Am häufigsten kommen Schallschutzwände zum Einsatz: Sie sind hochabsorbierend, das heißt sie nehmen den Schall auf und verhindern seine Ausbreitung. Aber auch Schallschutzwälle, Spurkranzschmiereinrichtungen und Schienenstegdämpfer oder -abschirmungen sind aktiver Schallschutz. Passiver Lärmschutz mindert den entstandenen Lärm durch Maßnahmen an Gebäuden. Dazu zählen zum Beispiel schallisolierte Fenster und Lüftungseinrichtungen.

Maßnahmen und ihre Effekte

  • Schallschutzwände entlang der Strecke senken die Lärmbelastung für Anwohnerinnen und Anwohner um bis zu 10 dB(A)*. Sie eignen sich besonders für ebenerdige Streckenabschnitte in Ballungsräumen.
  • Durch die Umstellung auf lärmarme Bremsen (Kompositbremssohlen) können Bremsgeräusche um etwa 8–10 dB(A) reduziert werden. Sie verringern auch die Rauheit der Radlaufflächen, was zusätzlich zu geringeren Rollgeräuschen führt.
  • Spezielle Dämpfungen am Schienensteg können Rollgeräusche um 3–7 dB(A) verringern, indem sie Vibrationen und Geräusche direkt an der Schiene abfangen. Schienenstegdämpfungen sind besonders effektiv bei häufig genutzten Gleisen in dicht besiedelten Gebieten.
  • Eine regelmäßige Schienenschmierung kann, insbesondere in Kurven, Geräusche durch Reibung und Quietschen um bis zu 3 dB(A) verringern.

In Summe lässt sich der Lärm im SPNV durch eine Kombination dieser Maßnahmen um etwa 10–15 dB(A) senken. Das entspricht einer subjektiven Halbierung des Lärms für das menschliche Gehör. 

*Dezibel ist eine Einheit zur Messung von Lautstärke. dB(A) steht für A-bewertete Dezibel, d.h. die Einheit misst den Schalldruckpegel und berücksichtigt dabei die Empfindlichkeit des menschlichen Ohres.

Schon viel erreicht: Lärmschutz in NRW

Lärmschutzmaßnahmen entlasten die Anwohner nachhaltig und spürbar. Um für mehr Ruhe an Bahnstrecken für Anwohnende zu sorgen, hat die Deutsche Bahn bis Ende 2020 den Schienenverkehrslärm bereits halbiert. Und sich neue Lärmschutzziele gesetzt: Bis 2030 soll die Hälfte aller Menschen, die derzeit an belasteten Strecken wohnen, vom Schienenverkehrslärm entlastet werden; bis 2050 sollen es alle sein.

Mithilfe des Lärmsanierungsprogramms des Bundes wurden bis Ende 2023 bereits rund 2.255 Kilometer des Streckennetzes lärmsaniert. Für Nordrhein-Westfalen wurden 2023 insgesamt 1993 Sanierungsbereiche mit rund 666,9 Kilometern zur Bearbeitung vom Bundesverkehrsministerium freigegeben - mehr als doppelt so viele wie beispielsweise im südlichen Flächenland Bayern. „2023 haben wir 68,90 Kilometer Schallschutzwände fertiggestellt, weitere 40,14 Kilometer befinden sich in Planung oder bereits im Bau“, sagt Markus Schmitz, Referent Energieeffizienz bei DB Regio in NRW. „In 6.567 Wohnungen wurden passive Maßnahmen wie Schallschutzfenster, Dachsanierung oder Fassadendämmungen umgesetzt und 95 Ortsdurchfahrten sind mit einer Streckenlänge von 186,30 Kilometern vollständig lärmsaniert.“

Das alles sind wichtige Schritte in Richtung Mobilitätswende, denn, davon ist Schmitz überzeugt: „Unsere Ziele im Klimaschutz können wir nur mit einem deutlichen Ausbau des Schienenverkehrs erreichen. Und dafür brauchen wir die Akzeptanz der Menschen, die an der Schiene wohnen. Lärmschutz leistet hier einen essenziellen Beitrag.“

„Lärmschutz trägt wesentlich dazu bei, unsere Ziele im Klimaschutz zu erreichen."

Markus Schmitz

Referent Energieeffizienz bei der DB Regio AG, Region NRW