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4. Februar 2025

Wie die Bahn beim Fahren Energie spart und CO2-Emissionen senkt

Eine energiebewusste Fahrweise kann rund 10 Prozent Energie einsparen – und damit den CO2-Ausstoß deutlich verringern. Deshalb schult die Deutsche Bahn ihre Triebfahrzeugführer/innen in besonders energiebewussten Fahrstrategien. Mit Erfolg: Im Regionalverkehr spart das Unternehmen auf diese Weise jährlich rund 150.000 Tonnen CO₂ ein, 15.000 davon allein in NRW. Das entspricht dem Ausstoß einer Stadt mit 20.000 Einwohnern. 

© Deutsche Bahn AG_Pablo Castagnola.jpg
© Deutsche Bahn AG_Pablo Castagnola.jpg

Die S-Bahn-Strecke zwischen dem Flughafen Düsseldorf und Bergisch-Gladbach ist 70 Kilometer lang und hat 34 Haltestellen. Dementsprechend oft muss gebremst und wieder angefahren werden. Das verbraucht viel Strom – durchschnittlich 1.100 Kilowattstunden benötigt die S11 für die Hin- und Rückfahrt (ohne Berücksichtigung der Rückspeisung), soviel wie ein Single-Haushalt in sechs Monaten. “Ein hoher Verbrauch bietet gleichzeitig ein hohes Einsparpotenzial”, sagt Markus Schmitz. “Durch eine energieeffiziente Fahrweise lassen sich auf dieser Strecke bis zu 150 Kilowattstunden einsparen. Damit könnten 180 Waschmaschinenladungen bei 60 Grad gewaschen werden. Das zeigt: Energiebewusstes Fahren kann einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende leisten.” 

Markus Schmitz weiß, wovon er spricht: Bereits seit 2009 arbeitet er selbst als Triebfahrzeugführer, bevor er 2021 zusätzlich als Referent Energieeffizienz bei DB Regio in Nordrhein-Westfalen das Thema energiesparendes Fahren übernahm. Heute unterstützt er mit Schulungen und Coachings seine Mitarbeitenden dabei, beim Fahren möglichst wenig Energie zu verbrauchen. „Je nach Beschaffenheit der Strecke können wir den Zug schon viele Kilometer vor der Station ausrollen lassen – ohne Strom zu verbrauchen“, erklärt er. “Bei vorausfahrenden Zügen kann durch konstante Geschwindigkeit ein außerplanmäßiges Halten an Signalen oder vor Bahnhöfen vermieden werden. Und kurz vor dem Erreichen einer Bergkuppe kann die Zugleistung abgeschaltet und anschließend der Schwung bergab genutzt werden. Mit diesen und ähnlichen Maßnahmen lassen sich viele Kilowattstunden Strom einsparen und der CO2-Ausstoß verringern: Rund 150.000 Tonnen CO₂ waren es 2023 im Regionalverkehr der DB Regio.” 

Assistenzsysteme geben konkrete Fahrempfehlungen 

Bereits 2002 haben Triebfahrzeugführer/innen des Personenverkehrs mit dem energiesparenden Fahren begonnen. Inzwischen werden alle neuen Lokführer/innen der Deutschen Bahn während ihrer Ausbildung darin geschult, durch Praxistraining und im Fahrsimulator. „Fahrassistenzsysteme unterstützen uns dabei, den Energieverbrauch während der Zugfahrt zu senken“, sagt Markus Schmitz. Im Dieselnetz Köln zum Beispiel, im westlichen Münsterland und in der Euregiobahn in Aachen kommt das RegioEnergiesparsystem RESY zum Einsatz. Über ein Display erhalten die Triebfahrzeugführer/innen in Echtzeit konkrete Fahrempfehlungen zu Beschleunigung und Geschwindigkeit. Die elektrischen Bahnen im Nahverkehr fahren bereits seit vielen Jahren mit dem System ESF-EBuLa (Energiesparendes Fahren – Elektronischer Buchfahrplan und Langsamfahrstellen). Die Vernetzung mit Informationen aus den Leitzentralen der DB Netz AG sorgt zusätzlich für eine Verbesserung der Fahrempfehlungen. 

„Energiesparendes Fahren heißt, vorausschauend zu fahren“, weiß Markus Schmitz. „Wie gut uns das gelingt, sehen wir anhand der Energiemesszähler in den Fahrzeugen: Sie erfassen den Energieverbrauch und die Energierückspeisung des Fahrzeugs und informieren die Lokführer/innen monatlich darüber, wie viel Energie sie benötigt haben.” Auf anonymisierten Ranglisten, ähnlich einer Bundesliga-Tabelle, können sich die Triebfahrzeugführer/innen dann selbst im Vergleich zu anderen einordnen. “Das motiviert zusätzlich und trägt dazu bei, am Ball zu bleiben – und eines der energieeffizientesten Verkehrsmittel noch umweltfreundlicher zu machen.”