Extreme Wetterereignisse beeinträchtigen die Schieneninfrastruktur

Daten
17. Februar 2025
Klima
Wetterextreme halten die Bahn auf Trab

Studie zu Störungsursachen zeigt, wie Schienenbetreiber gegensteuern können

Sturm, Starkregen und Hitzewellen: Extremwetterereignisse nehmen zu, auch in Nordrhein-Westfalen. Unter anderem wird die Region Hagen vermehrt von Starkregen betroffen sein, rund um Duisburg und Düsseldorf ist mit einem deutlichen Anstieg der Sturmtage zu rechnen. Das hat Folgen für Schienen und Gleise – und damit auch für den Schienenpersonennahverkehr in NRW: Die Grafik zeigt die unterschiedlichen Ursachen für witterungsbedingte Störungen an der Schieneninfrastruktur in NRW im Zeitraum 2018-202

Februar 2021: Schnee, Eis und Kälte haben Deutschland fest im Griff. Wintersturm Tristan verursacht massive Verkehrsprobleme. Auch auf der Schiene: 234 der insgesamt 763 witterungsbedingten Störungen des Bahnverkehrs in Nordrhein-Westfalen sind in diesem Jahr auf die Ursache „Winter“ zurückzuführen (vgl. Grafik). 2022 waren es lediglich zwölf.

Auch langanhaltende Hitze kann gravierende Auswirkungen haben, das zeigt ein Blick auf 2018 und 2019: Die Anzahl der hitzebedingten Störungen ist in diesen beiden Jahren, in denen es massive Hitzewellen gab, mit 107 und 207 Fällen signifikant hoch.

Die Grafik unterscheidet die Ursachen Blitzschlag, Hitze, Böschungsbrand, Vegetation (z.B. umgestürzte Bäume auf den Gleisen), Winter (z.B. Schneeverwehungen auf Gleisen), Gleisunter- oder Überspülungen (z.B. durch Starkregenfälle) und sonstige witterungsbedingte Störungen. Zwar lässt sich anhand der kurzen Zeitenreihe noch kein Trend ablesen (zumal die Corona-Pandemie 2020 und ein Fahrplanwechsel mit Grenzwertanpassungen 2023/2024 die Vergleichbarkeit erschweren), aber die künftige Zunahme von Extremwettersituationen bedeutet unverkennbar ein Risiko für den Schienenverkehr in NRW.

Daten schaffen Grundlage für ein effizientes Resilienz-Management

Die Grafik basiert auf Daten einer Studie des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), das für die Deutsche Bahn die Auswirkungen des Klimawandels auf die Schieneninfrastruktur untersucht hat. Für die Untersuchung wurden aus 34 deutschen Verkehrsregionen die Wetterdaten der vergangenen Jahre analysiert. Ziel war es, die zukünftigen Klimaveränderungen regional-differenziert aufzuzeigen und damit eine Grundlage für ein effizientes Resilienz-Management zu schaffen: Wie lassen sich klimabedingte Störungen frühzeitig erkennen, bevor sie entstehen?

Anhand von Modellrechnungen wurden Projektionen für die Jahre 2031 bis 2060 entwickelt. Das Ergebnis: Hitzetage mit mehr als 30°C werden weiter zunehmen, Tage mit Dauerfrost werden seltener. Bei der Anzahl der Starkregentage ist eher ein geringer Anstieg zu erwarten, allerdings mit einer deutlichen Zunahme der Regenmenge. Bei Sturmtagen lässt sich noch keine eindeutige Entwicklung ableiten. Die Unsicherheiten über künftige Extremereignisse sind für Professor Dr. Ottmar Edenhofer, Studienleiter und Direktor des Potsdam-Instituts, kein Grund abzuwarten, sondern sich durch präventive Maßnahmen darauf einzurichten. Denn: „Was gestern extrem war, kann morgen schon normal sein.“

Die Schiene wetterfest machen

Wie also können Schienenbetreiber sich gegen die Folgen des Klimawandels wappnen? Die Studie empfiehlt eine Fünf-Punkte-Strategie: Mehr Grünschnitt entlang der Trassen, Schutz für Leit- und Sicherheitstechnik, hitzeresistente Technik an Fahrzeugen, baulichen Schutz in Risikobereichen und weiterhin die Reduktion des CO2-Ausstoßes. Und tatsächlich setzt der Schienenverkehrssektor schon heute zahlreiche konkrete Maßnahmen um, um Züge und Schieneninfrastruktur auf extreme Wetterlagen vorzubereiten: Die Deutsche Bahn hat 2018 eine vegetationsfreie Zone rechts und links der Gleise eingerichtet und setzt außerhalb dieses Bereichs auf einen robusten und sturmtauglichen Waldbestand. Bei Sanierung, Aus- und Neubau von Bahnstrecken gelten angepasste technische Standards für Stellwerke und Weichen. Und bei Unwettervorwarnungen tritt ein Stufenplan in Kraft, der die Organisation von Mitarbeitenden, Technik und Räumungsfahrzeugen regelt: So sollen Hauptverbindungsstrecken innerhalb von 24 Stunden geräumt und wieder befahrbar sein.

Beispiele, die zeigen: Es werden bereits effektive Maßnahmen ergriffen, um den Folgen von Extremwetterereignissen auf die Schieneninfrastruktur in NRW besser entgegenwirken – und so die witterungsbedingten Störungen im Schienenverkehr möglichst gering zu halten.

Quellen und Copyrights

Die Grafik stammt aus dem Klimaatlas NRW des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW 2024) und basiert auf Daten aus der Störfall-Datenbank der DB Netz AG: https://www.klimaatlas.nrw.de/klima-nrw-monitoring/planung-und-bau/verkehr-und-verkehrsinfrastruktur/witterungsbedingte

 weitere Quellen:

Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK): https://nachhaltigkeit.deutschebahn.com/06_Strategie/01_klimaschutz/Pik_Studie/Klimawandelanalyse_DB.pdf

DB: Folgen des Klimawandels für die Deutsche Bahn: https://nachhaltigkeit.deutschebahn.com/de/gruene-transformation/klimaschutz/klimawandelfolgen

Klimabericht NRW 2021, Kapitel 15, Verkehr und Verkehrsinfrastruktur (S. 256-260): https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuvpubl/3_fachberichte/Screen_Klimabericht_2021_220214_low.pdf

Monitoringbericht 2023 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel, VE-I-6: Wetter- und witterungsbedingte Störungen der Schieneninfrastruktur: https://www.umweltbundesamt.de/monitoring-zur-das/handlungsfelder/verkehr-verkehrsinfrastruktur/ve-i-6/indikator

Indikator-Factsheet „Wetter- und witterungsbedingte Störungen der Schieneninfrastruktur“: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5612/dokumente/ve-i-6_indikator_stoerungen_schieneninfrastruktur.pdf

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Kritikalität von regionalen Wettermustern: gestern, heute & zukünftig“: https://www.pik-potsdam.de/db-klimastudie/

BMDV-Expertennetzwerk des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr: Klimawandelfolgen und Anpassung, Themenfeld 1 „Klimawandelfolgen und Anpassung“: https://www.bmdv-expertennetzwerk.bund.de/DE/Themen/Themenfeld1/themenfeld1_2.html;jsessionid=295136C5BA1051B9EBEAF2C96A6B2681.live21304?nn=1372002

https://www.ardalpha.de/wissen/umwelt/klima/wetter-meteorologie-hitze-starkregen-extremwetter-klimawandel-100.html

https://www.buendnis-fuer-mobilitaet.nrw.de/blog/extremwetter-wie-wirkt-es-sich-auf-die-mobilitaet-aus.html